Silke Albrecht

geboren 1986 in Soest
lebt und arbeitet in Düsseldorf

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Silke Albrecht

geboren 1986 in Soest
lebt und arbeitet in Düsseldorf

2010 – 2015
Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschülerin bei Prof. Andreas Gursky

2006 – 2010
Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Münster, bei Prof. Michael van Ofen

Einzelausstellungen

2021
„track bound“
Philipp von Rosen Galerie, Köln

2020
„rupture“
Galerie Achenbach/Hagemeier, Berlin

2019
„shattered earth“
Philipp von Rosen Galerie, Köln

2017
„meet me at home“
Mier Gallery, Los Angeles

2016
„lines of perforation“
Kunstverein, Ahlen

2015
„Im Schatten des Kilimanjaro“
Mélange, Köln

2012
Preisträgerausstellung, Westfälische Provinzial, Münster

2011
Ausstellung, Best-Gruppe, Düsseldorf

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2021
„DIE GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG NRW“
Museum Kunstpalast, Düsseldorf

2020
„Netz Werke“
Crone Galerie, Wien

2020
„SURPRIZE. Die Stipendiat*innen des BEST Kunstförderpreises“
Kunsthalle, Düsseldorf

2019
„Polke und die Folgen – Neuerwerbungen I“
Akademie-Galerie, Düsseldorf

2017
„Nun kommen wir auf den Teppich zurück“
Kunsthalle Gießen

2017
„Every cult its castle“
Baumwollspinnerei, Leipzig

2016
„Die Erfindung der Abstraktion,1931-2016“
Akademie-Galerie, Düsseldorf

2015
„SMART CASUAL“
Cubus Kunsthalle, Duisburg

2014
„Stipendium Vordemberge-Gildewart“
KIT – Kunst im Tunnel, Düsseldorf

2014
„En el castillo“
MIAC, Lanzarote, Spanien

2013
„Kunstpreis Junger Westen“
Kunsthalle Recklinghausen

2013
„Klasse Gursky“
Tokio, Hiyoshi

2009
Auswahlausstellung des Cusanuswerks
Moratinstitut, Freiburg i. Br.

Förderung

2017
Stipendium Artist-in-Residence Programm Tel Aviv

2017
Bronner Residency und Kunststiftung NRW

2013
Stipendium der Apotheker- und Ärztebank

2012
August-Macke-Förderpreis

2011
Stipendium der Best-Gruppe Düsseldorf

Raphael Nocken

Juli 2020
Die auffälligste Qualität von Silke Albrechts Œuvre liegt in der Vielseitigkeit ihrer malerischen Mittel.

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Raphael Nocken
Juli 2020

Die auffälligste Qualität von Silke Albrechts Œuvre liegt in der Vielseitigkeit ihrer malerischen Mittel. Man kann Albrecht nicht festlegen auf abstrakte oder gegenständliche Malerei, bei ihr ist alles möglich und wird je nach Forschungsinteresse und Thema verwendet. In ihrem Gesamtwerk stehen sich daher verschiedene Reihen gegenüber. Es gibt Serien, die Motive zum Gegenstand haben, in denen sich Porträts oder Naturbilder, aber auch surrealistisch anmutende Motivcollagen finden. Und es gibt solche, die in freier Abstraktion, gestischer Malerei und Befragung künstlerischer Mittel und Materialien einen Zugang zu den Interessen der Künstlerin suchen. Gerade durch die Kontinuität, verschiedene Formen von Malerei wiederholt aufzugreifen und weiterzuentwickeln, lassen sich die tiefer liegenden Fragestellungen sowie eine Haltung erkennen.

Albrechts Werk ist von einem Paradigma des Politischen geprägt. Es sind die Krisen des 21. Jahrhunderts, die zunehmende Vermüllung der Umwelt, die ökologischen und ökonomischen Herausforderungen der Gegenwart, die in ihrer Kunst verhandelt werden. Eingang finden diese Themen in ihr Werk durch die Auswahl der Materialien, in den aufgesammelten Ablagerungen (unter anderem Dreck, Mal- und Plastikreste, Tüten), die sie auf dem Boden ihres Ateliers vorfindet sowie in Metallen und chemischen Substanzen verschiedenster Couleur. Diese eigentlich malereifremden Materien werden in die Gemälde eingearbeitet, behalten jedoch die Potenzialität, auch das zu sein, was sie als Materie selbst sind, und bieten sich den Betrachter*innen dadurch als Hinweise auf die Sujets an, als sichtbare Präsenz des künstlerischen Interesses.

(Katalogtext zur Ausstellung SURPRIZE in der Kunsthalle Düsseldorf)

Prof. Dr. Siegfried Gohr

Juli 2011
Sehr viele junge Künstler gehen heutzutage von dem Bildmaterial aus, das ihnen – wie auch ihren Mitmenschen – aus den Medien entgegenkommt.

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Prof. Dr. Siegfried Gohr
Juli 2011

Sehr viele junge Künstler gehen heutzutage von dem Bildmaterial aus, das ihnen – wie auch ihren Mitmenschen – aus den Medien entgegenkommt. Auf dieser Basis, die reiche Auswahlmöglichkeiten bietet, entstehen Bilder nach Bildern, die gemalte, photographierte oder mit anderen technischen Mitteln hergestellte Kommentare und künstlerische Antworten darstellen.
Silke Albrecht hat sich entschieden, einen entgegengesetzten Weg zu gehen. Ihre Malerei hält Bewegungen fest, die verschiedene Pinsel mit verschiedenen Farben in unterschiedlichem Tempo auf der Leinwand vollführt haben. Was zunächst spontan wirkt, erscheint bei längerer Betrachtung als eine „reflektierte Spontaneität“, als ein Paradox, in dem sich ein intensives Bewegen der Malerei mit einer allmählichen Verfestigung trifft, die niemals bis zur Erstarrung geht. Sobald man die Malerei von Silke Albrecht in dieser Weise beschreibt, könnte es naheliegen, ihren Stil als expressiv zu beschreiben, als eine Fortsetzung der frühen Abstraktion nach 1910. Aber dem widerspricht die Farbwahl, die bis auf bestimmte Passagen kühl wirkt, und der große Anteil der Farbe Weiß. Diese wird eingesetzt als ein aktives Mittel, alle Bewegungen von Formen und Farben auf der Oberfläche des Bildes festzuhalten. Häufig nimmt das Weiß Reflexe der farbigen Umgebung auf und wird in gewisser Weise selbst „farbig“.

Die quadratischen Formate, die Silke Albrecht bevorzugt, bieten ein neutrales Feld, in dem sich die Energien aus Pinselspuren und Farben mischen, abstoßen, überlagern, stören oder ergänzen können. Das Quadrat besitzt einen Sog zur Mitte, dem nachzugeben oder auszuweichen malerische Entscheidungen hervorruft, die nicht die Tendenz zum Erzählen (wie im Querformat) oder die Tendenz zur Figur (wie im Hochformat) aufweisen. Dieses Format fordert aus sich heraus außerdem einen Hang zur Verdichtung, den Silke Albrecht virtuos interpretiert. In diesem Prozess stellen sich manchmal gegenständliche Assoziationen ein: Köpfe, Buchstaben, eine sitzende Figur, Spukfiguren usw. Ohne es zu forcieren, berührt die vorher abstrakte Malerei Elemente des Sichtbaren und hakt sich hier und dort ein, so dass die Gefahr der dekorativen Selbstbespiegelung des Malaktes sich nicht einstellen kann. Die Malerin hat für sich einen Punkt gefunden, von dem ausgehend sie eine kraftvolle, variantenreiche Bildwelt aufbauen kann. Ihre malerischen Versuchsanordnungen lassen dem Betrachter viel Raum – ungewöhnlich in einer Bilderwelt, die dem Betrachter oft den Zwang des Verstehens zumutet. Der Blick auf diese Bilder vermittelt stattdessen Vitalität, die ansteckend wirkt.

(Text anlässlich des BEST GRUPPE Stipendiums)

Prof. Dr. Robert Fleck

September 2014
Die Malerei von Silke Albrecht macht in ebenso direkter wie vielschichtiger Weise Kräfte sichtbar.

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Prof. Dr. Robert Fleck
September 2014

Die Malerei von Silke Albrecht macht in ebenso direkter wie vielschichtiger Weise Kräfte sichtbar. Sie vermeidet jede erkennbare Methodik, bewahrt sich eine hochgradige Spontaneität und vermeidet zugleich die große Falle jeder so frei angelegten Malerei der Kräfte, nämlich die expressionistische, subjektive Handschrift. Die fünf neueren Bilder aus dem Jahr 2014, die hier zur Ausstellung kommen, sind durchwegs unterschiedlich angelegt. Mit Ausnahme einer einzigen Arbeit („Happy“, 2014, Acryl, Lack, Tusche und Spray auf Baumwolle, 40 x 55 cm) ist keine Spur der Hand bzw. des Arms der Künstlerin zu sehen. Selbst das Zitat aus der Spraykunst in Gestalt der fragmentarischen Schrift „Happ(y)“ entgeht jedem expressionistischen Anklang durch den ironischen Charakter dieser Einblendung einer anderen malerischen Höhenlage. Die Künstlerin sagt dazu, dass sie die Einblendung von Schrift aus der Sprühdose manchmal „in Fragestellung“ zum übrigen Bild einsetzt.

Die Verbindung von Dichte und malerischer Intensität auf der einen Seite und nichtsubjektivem Ausdruck auf der anderen Seite ist in der sehr spezifischen Malweise von Silke Albrecht angelegt. Es handelt sich jeweils um Schüttungen, d.h. um freie Verläufe der Farbe, wobei zum Einen die Farbe auf ihrem Weg über den Bildträger unterschiedliche Aggregatzustände, Transparenzen und Ballungen eingeht, und zum Anderen das Bild über mehrere Schritte durch unterschiedliche Farben, aber auch häufig unterschiedliche chemische Substanzen angelegt wird, die einander abstoßen oder ineinander übergehen. Diese Beschreibung zeigt bereits, dass die Bilder ohne festes Konzept oder figurales Thema begonnen werden, wenngleich ihr durchwegs sehr klarer, dezidierter Charakter auch einen Hinweis darauf bildet, das die Künstlerin von einer präzisen Stimmung bzw. einer „dunklen Totalidee“ im Sinne Schillers ausgeht. Bereits die Wahl des Bildträgers – bei den Bildern dieser Ausstellung Baumwolle oder Leinen -, des Formats und der Grundierung fungieren als Vorentscheidungen für das anschließend in mehreren Phasen sich ‚selbst’ malende Bild. Der Umgang mit mehreren Schüttungen, die einander korrigieren, sowie bisweilen das Herausarbeiten von Grundzügen mit dem Pinsel, dessen Spur allerdings nicht in der Farbmasse sichtbar bleibt, schafft die Voraussetzungen für den kritischen Blick auf das entstehende Bild, der der Malerei von Silke Albrecht die innere Spannung verleiht.

Die Künstlerin spricht von einer „Verschränkung von Gesten“, zwischen denen sie sich die Frage stellt, „ist ein Bild clever genug, dumm genug, frech genug, locker genug, einfallsreich genug.“ Diese antiklassizistische Umgang mit dem Bild hat viel mit der Intensität zu tun, die in den neuen Bilderwelten unserer Gegenwart anzutreffen ist. Wie sehr diese Malerei als künstlerische Antwort auf diese neuen Bilderwelten fungiert, ist auch an dem Strukturprinzip ihrer Bilder abzulesen, das – besonders beim großformatigen „Cosmic Vision 2015-2015“ (2014, Acryl, Lack und Lavagranulat auf Leinwand, 270 x 200 cm), das das Programm der ESA aufgreift – einer Situation von mehreren geöffneten „Fenstern“ auf Bildschirmen entspricht.

Eine wesentliche Qualität dieses Werks ist der innig mit der Sichtbarmachung von Kräften verbundene Kolorismus. Auch in dieser Hinsicht sind alle Bilder von Silke Albrecht in dieser Ausstellung unterschiedlich angelegt. Die Palette der Künstlerin hat sich gerade im laufenden Jahr stark erneuert und an Spannung gewonnen. Die „schreienden“ Pinktöne der nierenähnlichen Formen auf „Deanalyse I“ (2014, Acryl und Lack auf Baumwolle, 40 x 55 cm) verbindet mit „Kontrollzwang – Analyse“ (2014, Acryl und Lack auf Leinwand, 40 x 60 cm) die dialogische Anlage dieser kleinen, analytischen Bilder, aber vor allem ein Farbkontrast von großer Intensität, der die Bildschirme langweilig aussehen lässt.

(Katalogtext zur Ausstellung „Stipendium Vordemberge-Gildewart“ im KIT in Düsseldorf)

Reise (Kroatien 2020) (5); 80 x 60 cm; Shelllacktusche, Lack, bedrucktes Papier, Garn und Streckmetall auf Baumwolle; 2021

Kontakt (dissoziiertes Material) (2); 190 x 150 cm; Lack, Acryl, Spray, Garn und Streckmetall auf Baumwolle; 2021

Kontakt (dissoziiertes Material) (3); 130 x 100 cm; Lack, Garn und Streckmetall auf zwei Geweben (Baumwolle/ Leinen); 2021

Kontakt (dissoziiertes Material) (8); 190 230 cm; Shelllacktusche, Lack und Garn auf zwei Geweben (Baumwolle/ Leinen); 2021

Prozesse (5); 200 x 200 cm; Lack auf Kupfer, Kupfernägel, Plexiglas auf Holzrahmen; Lack, Shelllacktusche und Stahlgitter auf Baumewolle; 2021